Seit 47 Jahren trägt sie Zeitungen aus: „Ich bin auch schon mit Magenschmerzen gelaufen“

Seit 47 Jahren trägt Doris Pink Zeitungen durch die Nacht. Wie sie das bei Wind, Schnee und Magenschmerzen meistert, erzählt sie hier.

Wissen Sie noch, was Sie am 1. April 1978 gemacht haben? Doris Pink aus Ravensburg weiß es noch genau: Es war ihr erster Tag als Zeitungszustellerin! Seit 47 Jahren trägt die inzwischen 73-Jährige die Schwäbische Zeitung, Briefe und Wochenzeitungen aus. Bei Wind und Wetter, Tag für Tag.

Oder besser gesagt: Nacht für Nacht. „Zwischen 1 Uhr und 1.30 Uhr marschiere ich los“, erzählt Doris Pink am Rande eines feierlichen Umtrunks zu Ehren langjähriger Zusteller der Schwäbischen Zeitung und der Wochenzeitung Südfinder, der kürzlich im Medienhaus bei „Schwäbisch Media“ in Ravensburg stattfand. Bei diesem Anlass wurden jene Zusteller geehrt, die seit vielen Jahren dafür sorgen, dass Abonnenten ihre Zeitung von Montag bis Samstag pünktlich und verlässlich im Briefkasten vorfinden.

Ob bei einem halben Meter Schnee im Allgäu oder bei Wind und Regen, Sie machen einen harten Job, der für uns unglaublich wichtig ist.
– Michael Kattanek –

Ein Anlass für das Treffen war, die Arbeit der Zusteller zu würdigen. „Wir sind sehr froh, dass wir Sie haben“, sagte der beim Zustellunternehmen Merkuria zuständige Regionalkoordinator Michael Kattanek. „Ob bei einem halben Meter Schnee im Allgäu oder bei Wind und Regen, Sie machen einen harten Job, der für uns unglaublich wichtig ist.“ Kattanek betonte, dass es aufgrund der rückläufigen Auflagen im gedruckten Zeitungsbereich immens wichtig sei, „dass wir eine gute Zustellqualität liefern“. Allein in der Region Bodensee-Oberwaben-Allgäu sind bei der SV-Gruppe etwa 1340 Mitarbeiter mit der Zustellung befasst.

Eine von ihnen ist Doris Pink. Ihr Zustellgebiet befindet sich in der Ravensburger Weststadt. Jede Schicht beginnt für sie damit, dass sie an einer Bushaltestelle in der Schmalegger Straße, wo die Zeitungen von den Fahrern bereitgestellt wurden, Briefe sortiert. Danach läuft sie ihre Runde. Etwa 80 Zeitungen müssen verteilt werden. Dafür benötigt sie etwa anderthalb Stunden.

Ein paar Stürze blieben nicht aus

Damit die Zustellerin den Weg sieht und trotzdem die Hände frei hat, trägt sie eine Mütze mit Stirnlampe. Trotz Licht blieben ein paar Stürze nicht aus, berichtet Pink, etwa zu der Zeit, als in ihrem Gebiet eine Baustelle war und sie über eine Unebenheit stolperte. Zum Glück sei nichts Schlimmeres passiert.

Überhaupt scheint Pink wenig zartbesaitet zu sein. „Ich bin meine Runde auch schon mit schlimmen Magenschmerzen gelaufen“, erzählt sie pflichtbewusst.

Glücklicherweise, so erzählt sie, kann sie sich inzwischen nach ihrer nächtlichen Runde wieder hinlegen und weiterschlafen.

Zusteller der Schwäbischen Zeitung treffen sich in Ravensburg zu einem Umtrunk. (Foto: Verena Jäger)

Früher, als ihre Kinder noch klein waren, war das anders. „Das war teilweise heftig“, berichtet sie. Da ist Doris Pink nach ihrer Schicht wach geblieben und hat alsbald die Kinder geweckt, um sie für die Schule fertig zu machen. Doch das Geld war knapp, erzählt die 73-Jährige, und die Arbeit daher notwendig.
Hat sie manchmal Angst, nachts unterwegs zu sein? „Nein, Angst darf man nicht haben“, sagt Doris Pink. Das hat sie auch einem jungen Pärchen geantwortet, dem sie einmal nachts begegnet ist. Dass sie beim Zustellen auf Menschen trifft, kommt jedoch äußerst selten vor, erzählt sie.

Wie sich ihr Job über all die Jahre verändert hat? Doris Pink schmunzelt und sagt: „Die Winter sind nicht mehr so streng wie damals. Das macht die Sache etwas einfacher.“

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